Donnerstag, 27. April 2017

das mache ich mittwochs.

jeden mittwoch, und das mittlerweile, wenn auch mit einer unterbrechung, bereits seit über einem jahr.
die hier ansässige caritas bietet flüchtlingen einmal in der woche die möglichkeit, sich zu treffen und gemeinsam zu nähen. anfänglich waren die räumlichkeiten nicht ganz das ideale und es mussten neue gesucht werden, die fanden sich glücklicherweise zum ende des letzten jahres und seither entwickelt sich der gemeinsame mittwochvormittag zu dem, was er werden sollte.
ursprünglich war es nur für frauen gedacht, also die, die vorwiegend ihre tage in den unterkünften verbringen und nicht wirklich einen ort haben, um sich gemeinsam auszutauschen und einfach mal rauszukommen. gerade letzteres ist für sie so wichtig...rauskommen und einfach mal nur sie selber sein. für ein paar wenige stunden das schlechte versuchen auszublenden.
da die frauen keine englischkenntnisse haben und ich weder arabisch noch russisch spreche, ist es sprachlich eine echte herausforderung für uns. aber eine, die einen heidenspass macht und so lustig sein kann!
anfänglich kamen nicht viele frauen, zu groß waren die berührungsängste und auch das misstrauen. aber wie so oft, wenn eine den anfang macht, spricht es sich herum und es kommen immer mehr.
ich erinnere mich noch an den ersten tag, da saß ich ganz allein dort und habe mäppchen genäht und das stoffregal eingeräumt. über dieses stadium sind wir schon eine weile hinaus. gestern waren wir 15 leute! darunter auch vier männer!
es ist echt leben in der bude! ohne unterlass rattern vier haushaltsnähmaschinen und eine overlock, dazu ein stimmgewusel der unterschiedlichsten arabischen akzente und hier und da auch andere sprachen.
meine rolle dabei?
mit denen, die gar nicht nähen können, mache ich erste schritte an der nähmaschine, gern gewähltes objekt sind kissen. und vorhänge, ganz wichtig! die unterkunft hat riesige fenster und keine vorhänge, ungüngstig vor allem weil die meisten familien kleine kinder haben. sehr junge kinder.
ich kümmere mich um die maschinen, kaufe stoffe ein und manchmal kommt es auch vor, dass die leute ihre amtsschreiben mitbringen, weil sie sie einfach nicht verstehen...wie auch, gerade hier angekommen und dann sollen sie ohne deutschkenntnisse durch diesen bürokratiekrempel durchsteigen...mit händen, füßen und nicht zuletzt einer übersetzungsapp klappt es oft irgendwie.
und was wird sonst noch genäht? das was gebraucht wird, ganz einfach!
viele bringen kleidung mit, die geändert oder repariert werden soll/muss. das ist eigentlich das vorwiegende nähgut...dann haben wir aber auch gelernte schneiderinnen dabei, die nähen kleidung. für sich selber, ihre kinder oder für andere flüchtlingsfrauen und deren kinder.
es ist zu einem miteinander geworden, da wo einer dem anderen hilft wo er kann und mal nicht der nächste amtstermin den ton angibt.
und genau das ist gut.


Kommentare:

  1. solche ein engagement finde ich super! hut ab! große klasse!
    und das nähen und die kreativität verbinden eben - da scheint die sprache fast nebensächlich zu sein :)

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    1. vielen dank...<3
      kreativität verbindet auf jeden fall ;)
      so ganz zur nebensache wird sprache nicht, aber genau dieser punkt läßt uns immer wieder gemeinsam lachen :)
      liebe grüße
      alex

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  2. danke für diesen einblick. das klingt nach einer großartigen einrichtung, auch wenn es sicherlich oft nicht leicht ist. weiter so!
    liebst,
    jule*

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    1. yep, das ist es, eine großartige einrichtung! mir ist das projekt sehr ans herz gewachsen und zeigt mir jede woche aufs neue, egal wie wenig man hat, es gibt soviel, was man geben kann...liebe grüße
      alex

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